• Gabriele Bornemann

Fort-&Weiterbildung im Aufsichtsrat: Neue Berichtspflicht für Aufsichtsräte


Es ist eine Selbstverständlichkeit: „Aufsichtsratsmitglieder nehmen die Fort- und Weiterbildung eigenverantwortlich wahr und werden dabei von der Gesellschaft angemessen unterstützt”, so hieß es bisher im DCGK in Ziffer 5.4.5. Ist es wirklich eine Selbstverständlichkeit? In der Praxis sehen wir hier große Qualitätsunterschiede zwischen BaFin regulierten Gesellschaften, DAX Unternehmen und sonstigen börsennotierten Gesellschaften.

So wundert es nicht, dass der aktuelle Kodex an dieser Stelle nachbessert. Die bisherige Empfehlung geht in Grundsatz 18 des neuen DCGK auf und wird um Empfehlung D.12 ergänzt. Dort heißt es: “Die Gesellschaft soll die Mitglieder des Aufsichtsrats bei ihrer Amtseinführung sowie den Aus- und Fortbildungsmaßnahmen angemessen unterstützen und über durchgeführte Maßnahmen im Bericht des Aufsichtsrats berichten.”


Berichtspflicht, aber keine Vorgaben zu Inhalt und Strukturen, macht das Sinn? In jedem Fall. Es geht nicht darum, dass Aufsichtsräte künftig die Schulbank drücken und sich hinter Zertifikaten verstecken. Der Deutsche Corporate Governance Kodex setzt ein Zeichen, dass sich Aufsichtsräte individuell mit regulatorischen, unternehmensspezifischen und disruptiven Veränderungen proaktiv auseinandersetzen.


Der Weg der Fortbildung ist dabei genauso individuell wie die Inhalte selbst. Programme wie beispielsweise der “Qualifizierte Aufsichtsrat” der Deutsche Börse AG können dafür eine solide Grundlage bieten. In jedem Fall gibt das Programm “Qualifizierter Aufsichtsrat” die Themengebiete vor, mit denen man sich in der Aufsichtsratsarbeit auseinandersetzen sollte.


Auch der Besuch von AR-spezifischen Konferenzen ist in der Praxis ein beliebter Ansatz, die Vorgaben des DCGK in Bezug auf Fort-& Weiterbildung zu erfüllen.


Fort-&Weiterbildung im Aufsichtsrat ein Feigenblatt? Diese Zeiten sind längst vorbei und dennoch ist es kein Themengebiet von nachhaltiger Bedeutung. Die Frage nach dem AR-Budget mag einer der Gründe sein. Auch die heterogenen Strukturen – gerade bei paritätisch besetzten Aufsichtsräten - kann ein emotionales Hindernis sein, individuelle Programme für das Aufsichtsgremium zu initiieren.


Sachliche Gründe sind sicherlich nicht der Grund dafür, warum Fort- & Weiterbildung oft nicht im Fokus eines AR-Gremiums liegen.


Unsere These: Fortbildung des Aufsichtsrates steigert den Shareholder Value?

Die Financial Community hat längst erkannt, dass die graue Eminenz eines Unternehmens der Aufsichtsrat ist. Dort werden die Entscheidungen zu Top Managern getroffen, die letztendlich die Strategie und die operativen Erfolge eines Unternehmens leiten. Der Aufsichtsrat ist das Entscheidergremium für die operativ langfristigen und nachhaltigen Maßnahmen im Unternehmen. Darum sollte die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Gremium mehr sein, als nur ein Pflichtprogramm. Genau da setzt der neue DCGK an. 


Quelle: www.dcgk.de

Bildnachweis: Fotolia / ©mindscanner

15 Ansichten
Unsere Adresse: Gärtnerstraße 6 | 45128 Essen
Tel: +49 201 50 77 20 91
© 2019 Management Alliance Alle Rechte vorbehalten
  • xing
  • LinkedIn Social Icon