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Kerstin von Diemar: „Kolleginnen und Kollegen sind die besten Netzwerke“

Kerstin von Diemar hat das Gründervirus, ist Geschäftsführerin – und begleitet Unternehmen als Aufsichtsrätin. Ihr fehlt etwas, wenn sie sich nur einem Thema widmen würde. Und sie sagt: Die Arbeit als Aufsichtsrat ist kein „nächster Schritt“, sondern eine erweiterte Perspektive.

 

1. Sie sind Gründerin diverser Unternehmen, haben als angestellte Geschäftsführerin gearbeitet und sind mittlerweile in einer wachsenden Zahl von Aufsichtsräten vertreten – bereits vor dem „Qualifizierten Aufsichtsrat“. Was war ihr Antrieb, den nächsten Schritt in Richtung Aufsichtsrat zu machen?

Es gibt einige Konstanten in meinem Berufsleben: etwa mein unternehmerisches Denken und Handeln und der stete Blick auf das große Ganze sowie meine Leidenschaft für Technologiethemen. Und die Tatsache, dass ich mich schon mit Anfang 20 in meinem ersten Job in einem Internet-Startup mit dem Gründervirus infiziert habe. Dort habe ich die Dynamik, die kurzen Entscheidungswege, den Adrenalinkick und ja, auch die Volatilität erlebt.

Der Blick für das große Ganze hat schon die Wahl meines ersten Studienfaches bestimmt, der Soziologie. Ich will immer verstehen, wie etwas funktioniert, um dann den größten Hebel zum Erfolg identifizieren zu können. Denn diesen Hebel zu finden, verstehe ich als wesentlichen Teil meines unternehmerischen Denkens und Handels.

Den Überblick über das große Ganze und die Möglichkeit, unternehmerisch zu handeln, konnte ich im Anschluss an meine erste erfolgreiche Gründung auch in meinen Stationen als Head of M&A sowie als CEO einer internationalen Unternehmensgruppe einbringen. Auch mein MBA-Studium in St. Gallen hatte die ganzheitliche Ausrichtung „General Management“, wobei ich mein Finanzwissen im Anschluss im Rahmen des CFA®-Curriculums vertieft habe. Und die Leidenschaft für Technologie-Themen ist der Grund, weshalb ich 2021 gemeinsam mit zwei Medizintechnik-Ingenieuren das KI-basierte Med-Tech-Startup cureVision gegründet habe.

Wie kam ich also an mein erstes Mandat in einem Aufsichtsgremium? Ich war CEO bei der Forum-Gruppe und habe dort aufgrund persönlicher Veränderungen mein Geschäftsführungsmandat nicht verlängert. Als mir dann der Gesellschafter angeboten hat, das Unternehmen im Beirat weiter zu unterstützen, habe ich nicht lange überlegt. Die Beirats-Arbeit kannte ich bisher aus der Seite der Berichtenden. Die Arbeit im Gremium war hier und dort für mich ein Eye-Opener. Ich habe verstanden, dass meine Beiratsarbeit von meinen Erfahrungen als Unternehmerin sehr profitiert – und vice versa.

Deshalb sehe ich die Aufsichtsratsarbeit nicht unbedingt als „den nächsten Schritt“, sondern verstehe sie als eine Erweiterung der Perspektive.

 

2. Was war dann der Antrieb für die Prüfung als Qualifizierter Aufsichtsrat – und wie lautet Ihre persönliche Aufsichtsrats-Mission?

Als ich mich zum ersten Mal für den „Qualifizierten Aufsichtsrat“ interessierte, war ich schon einige Jahre als stellvertretende Beiratsvorsitzende der Forum-Gruppe aktiv. Zudem war ich im Dialog mit weiteren Unternehmen und bin kurz nach der Prüfung durch die Deutsche Börse in den Aufsichtsrat eines NASDAQ-notierten Technologieunternehmens gewählt worden.

Meinen wesentlichen Beweggrund kann ich auf ein Wort bringen: Respekt. Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe. Und vor den Kolleginnen und Kollegen im Aufsichtsrat. Ich wollte das notwendige theoretische Rüstzeug und Know-How mitbringen, um von Anfang an einen Mehrwert für das Unternehmen zu generieren. Das hat dank des Prüfungs-Curriculums der Deutschen Börse und der fabelhaften Unterstützung von Gabriele Bornemann und ihrem Team der Management Alliance bestens funktioniert.

Dass ich eine Frau in einer Männerdomäne bin, ist subtil immer präsent – das kennt wahrscheinlich jede Frau, die ihre Zeit in Meetings oft ausschließlich oder überwiegend mit Männern verbringt. Es braucht meiner Meinung nach Vorbilder, die andere motivieren und zeigen, dass es geht. Deswegen bin ich auch im FidAR-Verband: für mehr Sichtbarkeit und um aufzuzeigen, wo es noch etwas zu tun gibt. Diversität tut Unternehmen gut – auf allen Ebenen. Zu viel Homogenität führt manchmal zwar zu schnelleren, aber selten zu besseren Entscheidungen. Bei der Frage der Diversität geht es meines Erachtens auch noch um andere Ausprägungen: Alter, Branche, Erfahrung, Spezialisierung … Aber solange es weniger Frauen als Menschen mit dem Vornamen „Thomas“ oder „Stefan“ in oberster Führungsebene gibt, ist da einfach noch sehr viel zu tun.

 

3. Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen in der Aufsichtsrats-Arbeit?

Die aktuell anspruchsvollsten Herausforderungen hängen sicher mit den gesamtwirtschaftlichen Veränderungen zusammen, die wir gerade sehen. Covid hat unsere Form der Zusammenarbeit und die Prozesse in Unternehmen stark verändert und zu regelrechten Technologiesprüngen geführt. Nun sehen wir aktuell, dass die Lieferketten, die essentiell für die Beibehaltung dieser Dynamiken sind, weniger verlässlich werden. Gleichzeitig gibt es eine große Verunsicherung über die Energieversorgung und die Konjunkturerwartungen. Eine Gemengelage, die zu großen Herausforderungen für Unternehmen auf allen Ebenen, inklusive dem Aufsichtsrat, führt.

 

4. Was sind für Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren in der Aufsichtsrats-Arbeit?

Meiner Ansicht nach ist es das wichtigste, dass im Gremium selbst ein gutes Miteinander herrscht, ein Verständnis für den oder die andere/n, so dass sich daraus eine Vertrauensbasis entwickeln kann. Dann folgt natürlich die konstruktive Zusammenarbeit mit den Vorstandsmitgliedern. Und zu guter Letzt darf der Spaß an der Sache nicht zu kurz kommen! Natürlich nicht an erster Stelle – aber wenn es gar keinen Spaß macht, wird es auf Dauer niemanden voranbringen. Es braucht in Aufsichtsräten eine positive Grundstimmung – denn dann lassen sich Herausforderungen besser bewältigen!

 

5. Wie lautet Ihr persönlicher Tipp für erfolgreiches Netzwerken in der Aufsichtsrats-Community?

Meine Überzeugung: Die wichtigsten Multiplikatoren sind die Menschen, mit denen man zusammengearbeitet hat. Kolleginnen und Kollegen sind die besten Netzwerke. Sie wissen, wie ich arbeite und ob es menschlich passt. Mein Rat für alle, die ein Mandat anstreben, würde lauten: Halten Sie den Kontakt und vernetzen Sie sich auf unterschiedlichen Ebenen. Und entsprechende Weiterbildung schadet natürlich auch nicht.

 

6. Was wünschen Sie sich für das Aufsichtsrats-Jahr 2022?

Ich wünsche uns allen, dass die aktuellen Unsicherheiten, von denen so gut wie alle Unternehmen betroffen sind, berechenbarer werden und sich ausleveln – also die Störungen in den Lieferketten und die Unsicherheit in der wirtschaftlichen Erwartung. Und persönlich wünsche ich mir, dass der Krieg in der Ukraine so schnell wie möglich beendet wird.

 

Sie haben Nachfragen oder wollen in den Dialog treten? Sie erreichen Kerstin von Diemar per Mail unter kerstin@von-diemar.de und per LinkedIn.