Management Alliance GmbH

Dr. Wolfgang Schlaak: „Sie müssen verrückte Ideen teilen können“

Dr. Wolfgang Schlaak war bereits mit 35 zum ersten Mal Aufsichtsrat. Heute verknüpft er seine Leidenschaft, die Finanzen, mit IT-Prozessautomatisierung. Im Gespräch mit der Management Alliance betont er die Relevanz von Wirkung, Resilienz und ehrlichem Umgang in Gremien.

Was ist Ihre persönliche Aufsichtsrats-Mission?

Bei mir persönlich stehen aufgrund meiner Leidenschaft Finanzen und IT im Fokus. Wird das Unternehmen deckungsbeitragsoptimal gesteuert? Dahinter steht die Frage: Nutze ich meine Zeit mit dem höchsten Erfolg? Wenn ein Berater einen Satz von 25.000 Euro am Tag verlangt, ist das definitiv deckungsbeitragsoptimal. Meine Mission ist es, dieses Denken auf Unternehmen herunterzubrechen. Dahinter stehen zwei Fragen: Wie aufwändig ist der Kunde? Und wie strukturiere ich ihn? Die Antwort lautet nicht immer, dass große Kunden die besten sind, sondern manchmal eben auch der Mittelständler. Fokus, USP und Marktentwicklungen spielen dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Ich bin seit zehn Jahren selbstständig und frage mich mittlerweile: Welche Wirkung habe ich? Ich habe gelernt, dass man weniger Wirkung hat, wenn man sehr tief im Thema steckt, weil man den Menschen nicht erreicht. Viel wichtiger ist: Habe ich etwas hinterlassen, worüber meine Gesprächspartner nachdenken? Dann habe ich eine Wirkung erzielt.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen in der Aufsichtsrats-Arbeit?

Für mich sind das wie eben gesagt Wirkung, zudem Akzeptanz und Zusammenarbeit. Warum? Nicht der Vorstand hält sich einen Aufsichtsrat. Ein Aufsichtsrats-Gremium ist eben kein legal requirement. Vorstand und Beirat können und sollen sich wirklich auf Augenhöhe begegnen. Daraus folgt: Ein Vorstand sollte keine Angst haben, sondern vertrauen. Sie müssen verrückte Ideen miteinander teilen können. Hinzu kommt eine fachliche Komponente, und hier ist Widerstandsfähigkeit enorm wichtig. Da hat man hierzulande jahrelang geschlafen. Nehmen wir ein Beispiel: Sie sind ein IT-Distributor. Haben Sie einen Notfallplan, was passiert, wenn ein Bürgerkrieg im Kongo ausbricht? Wahrscheinlich nicht. Aber es wäre wichtig: Denn dort kommen die Materialien für die Komponenten her, die Ihre Hersteller in Asien benötigen. Bei einem Bürgerkrieg in Afrika bekommen Sie also in Europa keine neue IT-Ware. Diese Zusammenhänge müssen Sie erkennen! Und gegebenenfalls ihr Geschäftsmodell anpassen: Entweder, sie reduzieren die Abhängigkeiten, indem Sie als Mittelständler mit einer Vorratshaltung eine gewisse Widerstandsfähigkeit aufbauen. Oder sie gehen beispielsweise auf den Zweitmarkt. Lösen Sie sich von der Naivität der Globalisierung.

Was sind für Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren in der Aufsichtsrats-Arbeit?

Für mich ist das die Ehrlichkeit. Die finde ich ist fast immer verbesserungswürdig. Es geht häufig nur um Profilierung. Und die hat in Aufsichtsräten nichts zu suchen. Nur ganz selten hört man einen Vorstand sagen: Was ein klasse Aufsichtsrat – ich bin glücklich über die Expertise meines Beirats! Dabei müssen wir genau dort hin. Wie kann ich das reduzieren? Über die Sprache, über mein Auftreten – und natürlich einen Fokus auf Inhalte.

Wie lautet Ihr persönlicher Tipp für erfolgreiches Netzwerken in der Aufsichtsrats-Community?

Seien sie individuell. Überall wird Diversität ausgerufen, und dazu gehört auch, so zu sein, wie man ist. Netzwerken heißt, eine Marke zu sein. Ich sage klar meine Meinung. Meiner Erfahrung nach erhalte ich umso mehr Anfragen, je ehrlicher ich werde. Ich will auch nicht netzwerken, sondern Lösungen anbieten. Ich bin nicht wie jeder andere, ich passe in eine bestimmte Konstellation. Ich habe in der Aufsichtsrats-Branche kein riesiges Netzwerk, aber dort, wo es passt, werde ich gesucht.

Was wünschen Sie sich für Ihr Aufsichtsrats-Jahr 2022?

Ich wünsche mir Frieden, Ehrlichkeit und Transparenz. Man kann es einfach haben und gut. Oder man kann es kompliziert und mit Kriegen machen. Das gilt für die Welt genauso wie für die Arbeit in Aufsichtsräten. Und mit Blick auf das Thema Corona müssen wir politische Einflussfaktoren reduzieren, um wirtschaftlich wieder erfolgreich arbeiten zu können.

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