Management Alliance GmbH

Der Wald als Playbook für Sustainable Leadership: Diversity

Nachhaltigkeit braucht Führung, die auch auf die lange Distanz trägt und unsere Zukunft #enkeltauglich macht. Gut, wenn man sich für das Meistern der aktuellen Herausforderungen Inspiration und Orientierung an einem seit Millionen Jahren erfolgreichen System holen kann.

Der Wald steht vor den gleichen Problemen wie die Wirtschaft und Gesellschaft und hat dafür intelligente, soziale und nachhaltige Prinzipien entwickelt. In unserer neuen Reihe geben wir Ihnen überraschende Einblicke in das komplexe Ökosystem und zeigen, welche Learnings und Gestaltungsoptionen sich daraus für Ihre strategische Arbeit als Aufsichtsrat ableiten lassen.

Vielfalt sorgt fürs Überleben

Vielfalt ist das wesentliche Grundprinzip, das unsere Wälder widerstandsfähig macht. Eine hohe Biodiversität sorgt für höhere Stabilität und die nötige Anpassungsfähigkeit an veränderte Lebensbedingungen. Das macht den Wald weniger anfällig gegenüber Störungen wie Wetterextremen, Feuer oder Schadinsekten und sichert damit sein Überleben.

Im echten Waldleben präsentiert sich die große Vielfalt als sehr kleinteiliges System, in dem jedes einzelne Teil aber eine wichtige und unersetzliche Rolle spielt. Investitionen in Vielfalt durch das Zulassen und Hegen verschiedenster „Mitspieler“ kann man durchaus als Risikovorsorge interpretieren.

Dieser klassische Gedanke der Vielfalt ist auch in der Unternehmenssteuerung hinlänglich bekannt. Auch wenn Vielfalt im unternehmerischen Kontext nicht direkt mit dem Aspekt des Risikomanagements verbunden wird, wird es in der Praxis genauso gelebt. Denn erst die Vielfalt der Risikobetrachtung führt zu einer echten Risikovorsorge.

ESG – eine neue Qualität der Vielfalt

Eine ganz neue Qualität bekommt Vielfalt oder englisch Diversity vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit. In den ESG-Regularien ist sie in allen drei Säulen aus Environment, Social und Governance als wesentliche Grundlage für eine nachhaltige Zukunft verankert.

Ihre größte Durchschlagskraft entfaltet Vielfalt dabei klar in der sozialen Dimension. Der Diversity-Ansatz macht aus dem effizienzgetriebenen Kostenfaktor Manpower wieder Menschen und Stakeholder mit einem Gesicht, die etwas zum Erfolg des Unternehmens beitragen können und wollen. Wer dieses Potenzial erkennen, nutzen und entwickeln will, findet in der Wesentlichkeitsanalyse relevante Methoden und Strategie-Ansätze, um Verantwortung für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung zu übernehmen.

Die Governance Leadership Perspektive richtet dabei den Fokus auf den Ausgangspunkt der Wertschöpfung: das Unternehmen als Ökosystem. Gerade hier gilt, diversity matters und das ist so viel mehr als Gender Mainstream.

Alt und jung, Ingenieur und Kreativer, Links- und Rechtshändler etc. – ein vielseitiger Mix aus Kulturen, Kompetenzen, Erfahrungen zahlt auf Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft ein.

Aber Achtung! Der Teufel steckt auch hier im Detail. Sinnvolle Apps für die Bearbeitung von Fotos scheiterten bei der Einführung z.B. an der Tatsache, dass wichtige Registerkarten ausschließlich auf der rechten Seite angezeigt wurden und damit für Linkshändler nicht nutzbar waren. Diverse Teams an wenigstem einem Punkt zwischen Produktentwicklung und Verkauf hätten dieses Scheitern sicher verhindert.

Die wichtigste Erkenntnis für Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie lautet deshalb: Erst wenn unsere Mitarbeiterstruktur die Vielfalt unserer Kunden zeigt, schaffen wir wirklich kundenorientierte Lösungen, mit denen wir dann nachhaltigen Erfolg sicherstellen können.

Das Gestaltungspotenzial von Vielfalt erstreckt sich im Übrigen über alle Geschäftsfelder und alle Hierachie-Ebenen eines Unternehmens. Das heißt vielfältige Kompetenzen sind auch in den Führungs- und Kontrollgremien gefragt. Mit einer klaren persönlichen Positionierung machen Sie ihre Qualifikationen als Aufsichtsrat sichtbar, die vom DCGK geforderte Qualifikationsmatrix sorgt für die verpflichtende Transparenz.

Grenzen der Vielfalt

In der Balance zwischen Entstehen und Vergehen, Anpassung und Entwicklung, Wachstum und Wirksamkeit kommt auch Vielfalt an ihre Grenzen. Dort, wo sie im Widerspruch zu den natürlichen bzw. gewachsenen Rahmenbedingungen des Systems steht.

So tun sich die forstlich angebauten Douglasien zunehmend schwer mit den klimatischen Bedingungen in Deutschland. Sie stammen ursprünglich aus dem Ökosystem der Kaltregenwälder Nordamerikas und können sich bei hohen Temperaturen und Trockenheit nicht zu voller Stärke entfalten. Gleichzeitig verdrängen vermeintlich attraktive exotische Arten die heimische Flora und Fauna. Ohne natürliche Konkurrenten breiten sie sich invasiv aus mit massiven Einschränkungen für den Lebensraum standortgerechter Bäume und Pflanzen.

Dass nicht jede erfolgversprechende Managementkultur auch gut für das eigene unternehmerische Ökosystem ist, diese Erfahrung machte kürzlich erst Zalando mit einem ehemaligen Amazon-Manager im Vorstand. Anders als erwartet sorgte eine schlechte Stimmungslage aus Angstkultur und Bürokratisierung bei der Fashion-Plattform schnell zu einer hohen Fluktuation in der Führungsriege* und schließlich zu der Entscheidung, dass der zweijährige Vertrag Anfang dieses Jahres dann nicht mehr verlängert wurde.

Führungskräfte, die die Werte ihrer Unternehmenskultur leben und das Miteinander im eigenen Ökosystem nachhaltig gestalten, können solche Lernprozesse auf ein Minimum reduzieren. (*Business Insider 31.05.2022)

Bonus-Inspiration für Leader

Sustainable Leadership braucht neben Führungsarbeit auch Regeneration. Deshalb kommt zum Schluss unseres Beitrags noch Ihre ganz persönliche Bonus-Inspiration, um Kreativität und Ressourcen wieder aufzuladen:

Im Wald gibt es nicht den klassischen „Information Overload“. Es ist zwar nie wirklich still, aber nichts von all dem was wir sehen, hören, riechen, fordert unsere ganze Aufmerksamkeit. In diesem Setting nehmen unsere Sinne die komplexe Struktur der Natur ungefiltert wahr. Dadurch erholt sich nach der Attention Restauration Theory** das Gehirn und kann sich anschließend besser konzentrieren. Eine kurze Auszeit im Wald ist also nicht nur gut für die Gesundheit, sie macht uns auch produktiver. (**Stephen Kaplan: The restorative benefits of Nature)

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