Management Alliance GmbH

Der Wald als Playbook für Sustainable Leadership: Coopetition

Wenn wir über Nachhaltigkeit reden, führen über kurz oder lang alle Wege in den Wald. Das Millionen Jahre alte Ökosystem ist quasi der „Hidden Champion“ des nachhaltigen Wirtschaftens: Sein langer Atem und seine evolutionäre Dynamik resultieren aus einer gesunden Balance von Wettbewerb und Symbiose. Das Ökosystem Wald zeigt, wie Kooperation und Kommunikation, Symbiose und Nutzenstiftung zu Kräften werden, die einzelne Arten und zugleich das gesamte Waldsystem stärken #enkeltauglich. Dabei streben gerade die Bäume ganz natürlich in die Höhe und zum Licht. Aber sie wachsen nicht in den Himmel…

Optimierung statt Maximierung

Als ganzheitliches System entwickelt sich der Wald durch Komplexität und Anpassungsfähigkeit. Auch hier gibt es Überlebenskampf und den Wettlauf um begrenzte Ressourcen. Im Gegensatz zu unseren Wirtschaftsmodellen setzt der Wald jedoch nicht auf Konkurrenz und Verdrängung, sondern auf Kooperationen und Netzwerke. Hier geht es um das Zusammenspiel der Elemente und die Entwicklung der Gemeinschaft.

Ein Baum weiß: Ich bin kein Wald. Nur zusammen mit anderen Bäumen kann er ein Waldklima schaffen und alt werden. Vor diesem Hintergrund macht all das Sinn, was das Leben erhält und das Wohlbefinden aller unterstützt. So kann aus einem Defizit eines vermeintlich Schwachen auf einmal eine Stärke entstehen, die am Ende allen dient. Dass man dabei mit den knappen Ressourcen sparsam umgeht, auch in diesem Punkt ist der Wald Wirtschaft und Gesellschaft deutlich voraus. Hier werden übrigens auch keine anderen Lebensformen im Kampf ums Dasein ausgerottet oder bekämpft. Wenn die Füchse alle Hasen fressen, haben sie irgendwann einfach nichts mehr zu essen.

Was diese Weisheiten für Ihre Unternehmen bedeuten? Evolution und Nachhaltigkeit gibt es nur in einem guten Miteinander. Wirtschaft kann nicht in unendlichen Wachstumsprozessen erfolgreich sein:

  • Kein unbegrenztes Wachstum, besser sinnvolles Wachstum
    Auch wenn sie es können, die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Sie streben nach einem ausgewogenen Höhe-Durchmesser-Verhältnis innerhalb ihrer eigenen ökologischen Grenzen (Bei 132m reißt z.B. die Wasserversorgung ab und schon deutlich niedriger wird der Schutz des Ökosystems ausgehebelt.).
  • Kein schnelles Wachstum, besser nachhaltiges Wachstum
    Bäume möchten nicht schnell wachsen, sie lassen sich lieber Zeit beim Wachsen. Wenn sie zu schnell wachsen, müssen sie sich so verausgaben, dass ihnen „on the long run“ die Puste ausgeht. Aber ACHTUNG! Wachsen Bäume zu langsam, können sie den Anschluss verlieren und im Wettbewerb unterliegen.
  • Kein egoistisches Wachstum, besser gemeinsames Wachstum
    Der eigene Erfolg ist immer eingebettet in den Erfolg des Ökosystems. Wer dagegen nur den eigenen Gewinn im Blick hat, kann wesentliche Entwicklungen übersehen und im schlimmsten Fall das Ökosystem schädigen. Erinnern Sie sich noch an die Finanzkrise? Wenn Banken sich nicht mehr als „Enabler“ einer positiven Entwicklung der Wirtschaft verstehen und nur auf Profitmaximierung arbeiten, kollabiert ein ganzes System.
Mehr als ein Wood Wide Web

Ein gutes Zusammenspiel von Cooperation und Competition gelingt nur mit einer entsprechenden Kommunikation. Für die dafür nötigen Strukturen hat der Wald eine ganz besondere Lösung für uns parat: ein ganzheitlich vernetztes Modell, das Wood Wide Web. Dabei sind benachbarte Bäume und Pflanzen über ein Netzwerk aus Pilzen miteinander verbunden. Das Wurzelwerk der Bäume wird dadurch zum Beispiel bis zu hundertfach vergrößert. Die Pilze erschließen mit ihren Feinwurzeln Nährstoffe und Wasser und stellen diese dem Baum zur Verfügung. Dieser bietet den Pilzen im Gegenzug den durch Fotosynthese erzeugten Zucker.

Mehr als unser menschengemachtes World Wide Web bringt es allen Beteiligten neben dem Austausch auch Nutzen und organisiert eine übergreifende Zusammenarbeit für das gemeinschaftliche Wohl. Aus diesem Grund sprechen die Wissenschaftler hier auch von einem Wirknetz. Baum und Pilz profitieren in ihrem Netzwerk dann am meisten voneinander, wenn es beiden gut geht. Wie auch im Wald ist ein kooperatives Miteinander im Wirknetz der Unternehmen eine Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg der Einzelnen. Die Outdoor-Marke Vaude hat z.B. die Lieferkette in ihrem Wirknetz in den sozialen und ökologischen Themen zum Vorteil aller konsequent optimiert.

Auch über das Netzwerk der Mykorrhiza hinaus lassen sich spannende Abstimmungsphänomene im Wald beobachten: So „verabreden“ sich Laubbäume, um in unregelmäßigen Zyklen gemeinsam zu blühen. In den sogenannten Mastjahren produzieren sie dann viel mehr Früchte, als in anderen Jahren. Damit bleibt das Futterangebot für Wildschweine und Rehe unberechenbar und sie werden sich nicht so stark vermehren. In den Mastjahren können die Waldtiere außerdem nicht alle Früchte fressen, so dass viele Samen im kommenden Jahr keimen und das Überleben der nächsten Baumgeneration sichern. Ohne dem Wald eine natürliche Intelligenz zuzuschreiben, funktioniert dieses System aus Chancengerechtigkeit, Wettbewerb und Evolution, weil niemand ohne den anderen überleben kann. Für Deutschlands bekanntesten Förster Peter Wohlleben ist der Wald sogar ein soziales Miteinander. Und manchmal möchte man es fast ein bisschen glauben…

Bonus-Inspiration für Leader

Sustainable Governance braucht einen verlässlichen, nachvollziehbaren und konkreten Maßstab für das Handeln auf der unternehmerischen Ebene. Deshalb kommt zum Schluss unseres Beitrags noch Ihre ganz persönliche Bonus-Inspiration, um Verantwortung und Haltung in Leadership zu stärken: Bäume sind eine großartige Hilfe, um über sich selbst nachzudenken. Allein Ihr „Standing“ wirkt auf uns: sie sind tief verwurzelt und bleiben selbst bei Wind und Wetter unerschütterlich und aufrecht. Dadurch vermitteln sie uns Stärke und spenden Kraft. Ihre Erhabenheit lädt ein, sich auf die Komplexität eines Ökosystems einzulassen und neue Wege des Denkens zu finden.

Bisher erschienen:
Der Wald als Playbook für Sustainable Leadership: Diversity

Quellen: Dr. Klaus-Stephan Otto, Dr. Matthias Nöllke, Peter Wohlleben

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