Management Alliance GmbH

Behind the Scenes: Tuesday Porter

Kompetenzmix, Diversität und Visionen machen die Aufsichtsratsarbeit erfolgreich.

„Frauen entscheiden nicht unbedingt besser, aber anders.“ Sagt eine Frau, die sich aus Hierarchien nichts macht, Ziele konsequent verfolgt, direkt ist und dafür sehr viel Zuspruch erhält.

Tuesday Porter ist seit 2018 als Arbeitnehmervertreterin im Aufsichtsrat der TÜV NORD AG. 2023 hat sie sich zur Wiederwahl gestellt. Warum? Die Antwort kommt prompt: „Weil mir die Aufgabe und die Verantwortung liegen und ich im Sinne des Unternehmens weiter an einigen Stellschrauben drehen möchte“, so Porter.

Was war ihr Antrieb, sich als qualifizierter Aufsichtsrat zertifizieren zu lassen? Porter
dazu:

Die Ansprüche an den Professionalisierungsgrad der Aufsichtsratsarbeit steigen kontinuierlich. Hinzu kommt, dass ich als Aufsichtsrätin persönlich hafte, und dies gilt sowohl für Arbeitnehmervertreter:innen als auch für die Vertreter:innen der Anteilseigner. Das bedeutet für uns Aufsichtsrät:innen, uns entsprechend unserer Aufgaben eigenverantwortlich
aus- bzw. fortzubilden, so wie es auch im Deutschen Corporate Governance Kodex festgehalten ist.

Spätestens als ich im September 2021 in den Finanzausschuss gewählt wurde, war mir eine fachliche Weiterbildung mit Zertifikat als Kompetenznachweis wichtig.

Im Januar 2022 startete ich den Kurs „Qualifizierter Aufsichtsrat“ und im März legte ich die Prüfung bei der Deutschen Börse ab.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen in der Aufsichtsrats-
Arbeit?

Die Auswirkungen von Megatrends und Zukunftsthemen auf das jeweilige Unternehmen kompetent beurteilen zu können, ist eine ständige Herausforderung. Hier helfen ein divers aufgestelltes Gremium und entsprechendes Expertenwissen, welches man sich unter Umständen von extern an die Seite holen muss. Und selbstverständlich betreffen aktuelle Entwicklungen bzw. Ereignisse wie die Energie- und Klimakrise und der Ukrainekrieg die Unternehmen und damit auch die Arbeit der Aufsichtsrät:innen.

Eine weitere Herausforderung bleibt in vielen Unternehmen der Frauenanteil – sowohl auf der Fach- als auch auf der Führungsebene. Der Fachkräftemangel hat bereits zu einem Arbeitnehmermarkt geführt. Wer weiterhin versäumt, Frauen in Führung angemessen zu beteiligen, läuft Gefahr, bereits heute und umso mehr in Zukunft, für die weiblichen Fachkräfte als Arbeitgeber uninteressant zu sein. Bedeutende Zukunftsthemen wie dieses sind ein absolutes Pflichtthema für alle Aufsichtsrät:innen.

Deshalb müssen wir heute dafür sorgen, dass es einen ausreichenden Frauenanteil in den wichtigen Entscheidungsgremien gibt, damit die Weichen für morgen gestellt werden können.

Was sind für Sie die wichtigsten Erfolgsfaktoren in der Aufsichtsrats-Arbeit?

Erfolgreiche Aufsichtsratsarbeit braucht Ziele. Ich habe mir meine Ziele bereits vor meinem Start als Aufsichtsrätin gesetzt. Nach vier Jahren als Aufsichtsrätin kann ich heute sagen: Ich habe die Themen adressiert und meine Ziele erreicht. Nun möchte ich weitere Themen auf meine Agenda setzen. Wichtig ist also, sich vor der Mandatsannahme zu fragen: Was kann
ich für dieses Unternehmen einbringen und was möchte ich erreichen?

Die Basis für erfolgreiche Aufsichtsratsarbeit ist zudem ein hoher und gut auf das Unternehmen zugeschnittener Kompetenzmix und ein vorausschauend auf die langfristige Entwicklung des Unternehmens agierender Aufsichtsrat. Wichtig erscheint es mir, auch junge Menschen für die Aufsichtsratsarbeit zu gewinnen, allein schon, um Kompetenz für
Zukunftsthemen mit an Bord zu haben.

Das Netzwerk, das Tuesday Porter in den Aufsichtsrat eines der umsatzstärksten technischen Dienstleistungsunternehmen Deutschlands brachte, heißt nicht etwa LinkedIn oder Facebook, sondern Belegschaft. Und die ist groß bei der TÜV NORD AG.
Was empfiehlt sie anderen Aufsichtsrät:innen für deren Netzwerkarbeit?:

Netzwerken gehört zu meinen Stärken, allerdings habe ich diese Fähigkeit nicht gezielt in der Aufsichtsrats-Community erprobt. Ich netzwerke in meinem Aufsichtsratsgremium, spreche Themen zur Klärung auch bilateral an. Gern würde ich mit unserer Belegschaft noch konkreter in den Austausch über meine Aufsichtsratsarbeit treten. Dem steht allerdings die sehr eng gehaltene Verschwiegenheitspflicht entgegen.

Mein Tipp lautet also: Suchen Sie das Gespräch mit denjenigen, die für die Erreichung Ihrer Ziele als Aufsichtsrät:in förderlich sind – auch im 4-Augen-Gespräch.

Was wünschen Sie sich für Ihr Aufsichtsrats-Jahr 2023?

Auf meine Wunschliste gehören ein höherer Frauenanteil in den großen Aufsichtsräten und Parität in den Nominierungsausschüssen. Von den an der Deutschen Börse akkreditierten und sonstigen Anbietern von Weiterbildungen für Aufsichtsrät:innen wünsche ich mir die Anerkennung der Kurse als Bildungsurlaub und das in allen Bundesländern.

Insgesamt würde mehr Transparenz zur Entmystifizierung der Tätigkeit beitragen. Die Aufsichtsratsarbeit ist anspruchs- und verantwortungsvoll, und bei manchen Themen ist absolute Verschwiegenheit natürlich unerlässlich. Bei anderen Themen wiederrum würde die Anwendung der Chatham House Rule aus meiner Sicht durchaus ausreichen.

Mein persönlicher Wunsch war es, im März 2023 für den Aufsichtsrat der TÜV NORD AG wiedergewählt zu werden. Dass mir 25% der Wähler:innen das Vertrauen geschenkt haben und mir somit erlauben, diese spannende Tätigkeit fortzuführen, freut mich sehr.

Die Übernahme eines weiteren Mandats ist für mich zukünftig ebenfalls vorstellbar.

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